Handgemachter Irish Folk

Gartenkönig-Kurier: Was verbindet euch mit Irland?
Michael Proschek: Zuerst einmal muss man anerkennen, dass die Iren einfach unglaublich schöne Tunes und Lieder haben. Das allein stellt für viele Musiker zumindest eine ideelle Verbindung mit Irland her. Ansonsten ist das durchaus unterschiedlich in der Band: Unser Geiger, Toni, hat zum Beispiel mehrere Jahre in Irland gelebt und dort als Musiker gearbeitet. Unter anderem trat er mit Tony Small auf, einem in Irland sehr beliebten Singer-Songwriter aus Galway, der leider im Januar 2013 verstarb. In Irland konnte Toni in zahllosen Sessions und durch Auftritte mit zahlreichen Künstlern die vielfältigen Facetten der irischen Musik kennenlernen. Von diesem riesigen Fundus kann er sich heute noch inspirieren lassen.
Nico, unser Sänger, begann bereits mit 13 Jahren Banjo zu spielen. Angeregt dazu wurde er durch die Musik der grünen Insel und den amerikanischen Bluegrass. Heute fährt er immer wieder mal nach Irland zu verschiedenen Festivals. Das Wichtigste für ihn sind dort die Sessions: Alle Musiker treffen sich nach ihren Konzerten in den Pubs und spielen dort gemeinsam bei einem gemütlichen Guinness. Auf diese Weise konnte er mit zahlreichen berühmten Banjospielern gemeinsam spielen, u.a. mit Barney McKenna (The Dubliner`s) und Gerry O’Connor (u.a. Michael Flatley’s „Lord of the Dance“).

Wie findet Ihr neue Lieder oder Inspirationen? Fliegt ihr einmal im Jahr nach Dublin oder Glasgow?

Die „Seldom Sober Company“ war zwar mal in Dublin und Glasgow als sie auf einem Kreuzfahrtschiff mehrere Auftritte hatte, das war allerdings in erster Linie normale Arbeit und nicht der gewöhnliche Weg zur Inspiration. Sie kommt vor allem immer dann, wenn man mit anderen Musikern gemeinsam spielt oder etwas Beeindruckendes erlebt. So ist Tonis „Why Have You Come“ in Irland an einem stürmischen Strand entstanden und Nicos „Walking Down West Highland Way“ verarbeitet seine Erlebnisse auf einer Wanderung durch die schottischen Highlands.


Was macht Irish Folk auch nach mehreren hundert Konzerten und drei Alben für euch noch spannend?

Dass nichts so bleibt, wie es ist. Die Stücke verändern sich im Laufe der Zeit. Man hört das zum Teil auch auf unseren älteren CDs. Die Stücke waren ursprünglich völlig anders als sie heute im Konzert gespielt werden. Das heißt nicht schlechter sondern anders, so wie wir sie beim Aufnehmen empfunden haben. Die Band kennt sich mittlerweile sehr genau. Deshalb sind die Arrangements auch nicht starr festgelegt. Es kommt immer mal etwas Neues hinzu und andere Dinge fallen weg. Je nach der Stimmung im Konzert.
Ein weiterer Punkt ist, dass wir immer wieder auch neue Titel ins Programm nehmen und alte dafür streichen. Gerade aktuell ist das wieder mal der Fall. Und es gibt eine Reihe junger, hochtalentierter Musiker in Irland, aber auch in Amerika, die neue, frische Ideen in den ehrwürdigen Irish Folk einbringen. Das kann auch inspirierend sein.
Vielleicht noch ein letzter Gedanke dazu: Jeder von uns hat noch andere musikalische Projekte, die absolut nichts mit Irish Folk zu tun haben. Das fließt dann doch irgendwie mit in unsere Musik ein und macht die Konzerte bunter und vielfältiger.

Ihr seid jetzt schon seit einigen Jahren Stamm-Stargäste auf den Gartenfesten. Gibt es etwas, das euch besonders gefällt? Eine Kulisse wie in Kloster Veßra ist ja nicht gerade alltäglich …

Kloster Veßra ist wirklich außergewöhnlich. Die Ruine ist eine tolle Kulisse für Musikevents jeder Art. Wir kannten diesen Ort bereits bevor wir auf den Gartenfesten auftraten. Zum Museumsfest hatten wir bereits im Kloster gespielt. Als sich die Möglichkeit ergab, im Rahmen des Gartenfests hier wieder aufzutreten, haben wir nicht lange überlegt und sofort zugesagt.
Fairerweise muss man aber auch Sagen, dass die anderen Auftrittsorte im Rahmen der Gartenmessen ebenfalls sehr schön sind. Uns hat zum Beispiel Schloss Krobnitz in Sachsen sehr gut gefallen, wo wir ja im September wieder dabei sein dürfen.

Im Idealfall: Wo spielt Seldom Sober Company in zehn Jahren?

In der Bundesliga für Alte Herren?