Letzte Woche sprachen wir das Thema Klimawandel an- Mit positiver Resonanz, weshalb unser Montag mit einem Interview beginnt, erstmals veröffentlicht vom „MDR Garten“ am 21. Januar 2020. Der Fachmann Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst erklärt, warum man auch die Natur den Klimawandel belegt… 

Noch vor 50 Jahren waren die Winter kalt und frostig. Der Boden war meist gefroren und Schnee war keine Seltenheit. In den vergangenen Wintern hat sich das geändert. Es gab vermehrt warme Phasen über acht Grad, Wintermantel und Stiefel konnten im Schrank bleiben. Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst bestätigt das Gefühl mit Fakten: Die Winter seien in den vergangenen 30 Jahren wärmer und kürzer geworden.


Aufgrund der Klimaerwärmung können wir feststellen, dass der Winter im Schnitt zehn bis 14 Tage kürzer geworden ist. Damit fangen alle anderen Jahreszeiten – außer der Winter selbst – früher an. Zu erkennen ist das an bestimmten Zeigerpflanzen. Beispielsweise kündigt die Haselblüte den Vorfrühling an.

Andreas Friedrich vom Deutsche Wetterdienst

Wie werden Klimaveränderungen erfasst? Um Klimaveränderungen zu dokumentieren, werden Zeiträume von 30 Jahren betrachtet. Die erfassten Daten aus dem Zeitraum von 1961 bis 1990 werden beispielsweise mit dem Mittel der aktuellen Periode die bis 2022 geht, verglichen.

Wetterbeobachter meldeten die ersten Haselblüten schon am 18. Dezember 2019. Die ehrenamtlichen Phänologen beobachten deutschlandweit die Entwicklungsstadien von Pflanzen und geben ihre Ergebnisse an den deutschen Wetterdienst weiter. Aus den Daten können Rückschlüsse auf Jahreszeiten und den Vegetationsverlauf, also die Wachstumszeiten der Pflanzen, gezogen werden.

Welche Folgen haben warme Winter für Pflanzen?

Wärmephasen, in denen die Temperaturen länger als eine Woche über acht Grad Celsius liegen, können gravierende Auswirkungen auf heimische Pflanzen haben, wie Gartenfachberaterin Brigitte Goss sagt. Krokusse, Weiden, Haselsträucher oder auch die Kornelkirsche beginnen dann früher mit der Blüte. Diese Pflanzen sind aber wertvolle Nektarspender für Insekten wie Bienen, Schmetterlinge und Co.: Sind diese noch in der Winterruhe, geht ihnen der Nektar aus diesen Nahrungsquellen verloren. Hauptproblem seien aber die Fröste, die nach dem Austreiben der Pflanzen Frostschäden anrichten können.

Gefährlich ist es vor allem dann, wenn Pflanzen die Wärme als Startsignal zum Wachsen interpretieren – und dann aber der Frost noch einmal zurückkommt.

Gartenfachberaterin Brigitte Goss

Auswirkungen auf Obstbäume

Auch die Apfelblüte hat sich nach vorne verschoben, sagt Brigitte Goss, dass sei aber erst einmal unproblematisch. Die Insekten sind zur Obstbaumblüte schon unterwegs und können die Blüten bestäuben. Feind Nummer eins, der die Obsternte verderben kann, sind Fröste, die die Blüten bis zu den Eisheiligen im Mai erfrieren lassen.

Pflanzen sind anfällig für Pilze und Krankheiten

Nicht nur Pflanzen, auch Pilze mögen es warm und feucht. Die Gefahr steigt laut Brigitte Goss, dass sie Pflanzen befallen und diese schädigen. Ständige Temperaturschwankungen machen zum Beispiel Rosen zu schaffen. Kleine, schwarze Flecken auf den Trieben sind ein Indiz, dass sich ein Pilz ausgebreitet hat.

Auswirkungen auf Kaltkeimer

Viele Pflanzen, zum Beispiel unsere Waldbäume, brauchen Kälteimpulse, damit sie überhaupt austreiben. Kurze Kälteimpulse um die Null Grad Celsius reichen als Startsignal für das Wachstum aber meist aus, wie Gartenfachberaterin Brigitte Goss sagt. Dauern die Frühlingstemperaturen nach frostigen Nächten aber über eine Woche an, erwachen die Pflanzen und Bäume aus ihrer Saftruhe. Kommt dann der Frost zurück, kann es zu Frostschäden kommen. Auch Pfingstrosen, Waldmeister, Bärlauch, Schlüsselblume, VeilchenTulpen und Narzissen brauchen eine kühle Phase, um in der folgenden Saison schöne Blüten zu bilden. Brigitte Goss hat beobachtet, dass sich nach langen milden Phasen im Winter die Blüten nicht so üppig entwickeln. Tulpen und Narzissen schieben dann manchmal  nur sehr kurze Stiele mit kleinen Blüten aus der Erde.

Unverhoffte Gartenarbeiten im Winter: Jäten und mähen

Der milde Winter regt auch Samenunkräuter im Garten zum Wachsen an. Gärtner können sich also später viel Arbeit sparen, wenn im Gemüsebeet unerwünschte Kräuter gejätet werden. Auch der Rasen wächst und darf bei stabilen Plusgraden gemäht werden. Hier gilt – lieber nicht zu kurz schneiden. Brigitte Goss empfiehlt eine Rasenlänge von etwa vier Zentimetern.

Quelle:

https://www.mdr.de/mdr-garten/klimawandel-warmer-winter-pflanzen-folgen-100.html